Ich will ja glücklich sein; wenn ich nur wüsste wie!

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Letztens sagte jemand zu mir folgenden Satz: „Ich bin nicht geboren um glücklich zu sein!“

Diese Aussage hat mich ins grübeln gebracht. Auch wenn eine solche Botschaft nicht alle Tage so direkt ausgesprochen wird, leben doch eine Menge Menschen mit genau dieser inneren Haltung.

Da frage ich mich: wozu Leben wir denn DANN?

Wie kommen derartig destruktive Gedanken in unseren Kopf und viel wichtiger, wie kommen sie da gefälligst wieder raus?

Also nehme ich all mein Wissen, meine Erfahrungen und auch das Handwerkszeug aus meiner therapeutischen Arbeit zusammen, um euch einen besseren und gesünderen Gedankengang näher zu bringen.

Hier eine Anleitung und Möglichkeiten, dysfunktionale Gedankenmuster aus dem Leben zu verbannen und gegen Freude bringende Glaubenssätze auszutauschen. 

Auf frischer Tat ertappt

Zu allererst müsst ihr eure eingefahrenen Glaubenssätze auf frischer Tat ertappen. Also Spot an und einmal bewusst darauf achten was da kommt. Du fühlst dich unglücklich, traurig, erschöpft oder deprimiert? Welcher Gedanke ging voraus bzw. schwingt auch während des Gefühls noch mit? Hier ein paar Klassiker:

  • „Immer ich…“
  • „Ich habe einfach immer nur Pech und scheinbar kein Glück verdient.“
  • „Ich mache alles falsch.“

Jeder hat da so seine ganz eigenen kleinen Stimmchen. Unser Gehirn ist allerdings äußerst faul und möchte gerne immer die gleichen Stränge und Synapsen bemühen. So denken sich solche Sätze manchmal wie von alleine und man nimmt sie nicht mehr wahr. Was man dann allerdings wahrnimmt sind die dadurch entstanden Gefühle wie Wut, Scham, Trauer usw. Genau diese Sätze sorgen für unsere Lebenssituation. Identifiziert sie und am besten ihr schreibt sie auf.

Entstehung und Nutzen

Nun haben wir unsere gemeinen Stimmchen entlarvt und setzen uns mit ihnen mal an einen Tisch. Wo kommt Der (der Gedanke) denn eigentlich her? Wer hat uns Den immer wieder vorgesagt? Oft übernimmt man Annahmen aus dem Elternhaus. Vielleicht sagte der Vater stets: „Freu dich mal lieber nicht zu dolle, wenn es schiefgeht ist die Enttäuschung nur zu groß“. Aus vielen dieser Annahmen, Bestrafungen und Regeln resultierte ein Schutz vor Verletzung. So entstand vielleicht der Glaubenssatz „ich mache immer alles falsch.“ War es doch einfacher dauerhaft zu glauben, man sei nicht richtig, als immer wieder die große Enttäuschung zu erleben. So entstand unser Beschützerstimmchen. Diese Lösungsansätze mögen in der Kindheit sinnvoll gewesen sein; war doch unser Handlungsspielraum zur Selbstverwirklichung und Emotionsregulierung sehr begrenzt aber im Erwachsenenalter hindert uns dieses Stimmchen immer wieder daran glücklich zu sein.

Wir erkennen diese Sätze jetzt als Muster an, die ablaufen, sobald gewisse Trigger (einen Vorgang auslösender Impuls) im Alltag gesetzt werden. Wir sind dankbar, dass es sie gab/gibt und entscheiden uns nun neue Muster zu schaffen.

Desillusionierung

„So ein Quatsch! Ich belüge mich doch selber, wenn ich mir einrede, wie schön doch alles ist! Das Leben ist nun mal kein Ponyhof! Ich bin nur Realist, wenn ich gar nicht erst glücklich und blind durchs Leben renne und alles für schön halte.“ Na, wer spricht da??? Die gleiche Stimme! Der Beschützer in euch. Und definitiv findet man immer genau die Beweise die man finden will, um unglücklich zu bleiben. Die Frage ist nur: wo führt das hin? Was habe ich davon, wenn ich immer nur auf Sparflamme meine guten Emotionen zulasse? Man kann in einer Therapie gut in die Tiefe gehen und genau hinschauen was in einem rumort aber auch mit diesen Tipps kann schon einiges bewegt werden.

Nun aber zur Desillusionierung. Du glaubst was du denkst! So scheint es für dich die EINZIGE logische Denkweise zu sein. Das muss aber nicht deine Realität sein! Es gibt noch viele ANDERE Denkweisen die man stattdessen annehmen kann.

Neues Denken

In der therapeutischen Arbeit heißt es disputieren. Wir schauen uns die bestehenden Glaubenssätze an und hinterfragen diese. Ist das wirklich so? Ist dieser Gedanke für dein Ziel nützlich? Usw. Oft erlebe ich, wie Patienten erstmals erkennen, mit was für vernichtenden Gedanken sie durch ihren Alltag streifen. Also finden wir stattdessen liebevollere, nützlichere und gesündere Sätze, die in Zukunft stattdessen gedacht werden sollen. Das können dann Sätze sein wie:

  • „Ich habe ein Anrecht auf ein glückliches Leben und das werde ich auch leben.“
  • „Ich habe schon so viel richtig gemacht.“ Usw.

So mannigfaltig wie das Leben sind auch die verschiedenen Gedankenmuster und Glaubenssätze. Was kannst du statt deiner bisher gedachten Sätze denken? Schreib sie doch genau neben deine alten und streich dann diese durch. Als Zeichen, diese zerstörerischen Annahmen nicht mehr denken zu wollen.

Gewohnheiten schaffen

Bis hierher haben wir es geschafft. Das soll jetzt in die kognitive Struktur eingebaut werden. Unserem Gedankenstrom zugeführt werden. Nur wie??? Wiederholung, Wiederholung und …. Wiederholung.

Die bestehende Leitung muss sozusagen mit einer besseren Leitung ausgebotet werden (neurophysiologisch betrachtet). Wenn wir also öfter die neuen Sätze denken, anstatt die Alten, nimmt das Gehirn bald die neue Leitung ganz automatisch. Bis dahin fühlt es sich mitunter nicht richtig oder gar geheuchelt an, wenn wir auf einmal denken: „so wie ich bin, bin ich gut.“ Das Gehirn will aber weiterhin die gewohnten Pfade nehmen, respektive die gewohnten Gedanken denken. Da hilft nur: dranbleiben und die alten Sätze immer und immer wieder auflaufen lassen, hinterfragen und entkräften. Das ist eine Fleißarbeit aber sie lohnt sich.

Denn die eine Frage die bleibt: „was ist die Alternative?!“

Genau das sollte uns alle bewegen, das Thema anzugehen, Neues zu versuchen und sein Leben zu verbessern!

Ich wünsche jedem einzelnen viel Erfolg bei dem Vorhaben eine bessere Gedankenhygiene zu erschaffen und neue Leitungen zu verlegen. Wer hierzu Fragen, Probleme oder Anregungen besprechen möchte, kommt gerne auf mich zu!

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